Fetischismus – Was ist damit genau gemeint?

„Sind wir nicht alle ein bisschen ‚fetisch‘?“ Letztendlich hat jeder Mensch eine gewisse Vorliebe für etwas und ist somit auch ein Fetischist. Diese Erläuterung nimmt dem Begriff „Fetisch“ sein anhaftendes Image des Abnormalen und zeigt seine Vielfältigkeit.

Eine sehr simple und plausible Erklärung
„Fetischismen sind nur die Übersteigerung des Normalen.“

Entstehung eines Fetisch
Die Ursachen für die Entstehung sind bis heute weitgehend ungeklärt, wobei es einige Theorien dazu gibt. Es gibt zum Beispiel den Ansatz, dass ein fetischistisches Verhalten nicht vererbbar ist, frühe Kindheitserfahrungen aber zu einer solchen Prägung beitragen können. Ihre Entstehung ist kein willentlicher Akt. Das zeigt das skurrile Beispiel von Jungen aus der Kriegsgeneration, die während der Bombennächte viel Zeit in Luftschutzkellern verbrachten. Bei ihnen trat später, als Mann, verstärkt der „Gasmasken-Fetisch“ auf. Über Stunden hatten die Jungs den Anblick von Frauen erlebt, die Atemmasken trugen. Der Auslöser einer intensiven sexuellen Faszination, oft bis ins hohe Alter.
Eine andere Theorie geht davon aus, dass auf den Fetischisten ein bestimmtes Objekt, Material oder ein Körperteil eine stark erotisierende Wirkung hat. Diese werden dann von ihrem eigentlichen Kontext abstrahiert und erotisiert. Eine Person wird nicht mehr vollständig wahrgenommen, nur ein Teilbereich wird beim Fetischismus herausgenommen.

Geschichtlicher und linguistischer Hintergrund
Gegenstand religiöser Verehrung, dem übernatürliche Kräfte zugeschrieben werden.
lat. facticius: nachgemacht, künstlich
franz. fétiche: Zauber
portug. feitiço: Träger magischer Kraft bei afrikanischen und westindischen Schwarzen, Zauber

Welche Fetische gibt es?
Unter das Thema Fetischismus fallen viele spezielle Fachbegriffe, deren Sinn sich einem nicht immer auf Anhieb erschliesst. Folgend eine kleine Erläuterung. Übrigends stammt der Hauptzusatz „-philie“ bei den meisten Fachbegriffen aus dem griechischen und bedeutet soviel wie „Liebe zu“ oder auch „Freund von“.

Autoassinophilie:
Todesangst durch Sadistisches Quälen
Autonepiophilie Diaperism:
Eine Fetisch-Neigung in der sich Erwachsene gerne Windeln anziehen und sich als Baby fühlen möchten (Adult Baby).
Amomaxia:
Sex in geparkten Autos als sehr erregend empfindet.
Akrotomophilie:
Bei der Akrotomophilie empfinden die Leute sexuelle Lust bei amputierten Menschen.
Anaclitismus:
Beschreibt das Tragen von Windeln.
Autonepiophilie:
Erwachsene begeben sich in die Rolle eines Babys.
Axilismus:
Hierbei handelt es sich um die Vorliebe für Achselhöhlen.
Bondage:
Ein sehr bekannter Fetisch, bei welchem die Menschen auf Fesselspiele stehen.
Capnolagnia (Rauchfetischismus):
Sexuelle Erregbarkeit durch Tabakrauchen bzw. am Anblick rauchender Personen.
Chrematistophilie:
Dieser Begriff meint das Rollenspiel, in welchem sich eine Person in der Rolle einer Prostituierten befindet.
Cisvestismus:
Die Lust am Verkleiden.
Dippoldismus:
Hierbei handelt es sich um das Beobachten eines SM-Pärchens beim Sex.
Dacrylagnie oder auch Dacryphilie beschreibt die sexuelle Erregung durch eine weinende Person.
Erotophonie:
Beschreibt die Lust an Telefonsex mit einer fremden Person.
Exophilie:
Das sexuelle und emotionale Verlangen nach etwas, das nicht auf der Erde existiert. Charakteristisch dafür ist auch die Erregung, die Aliens oder Abbildungen davon auslösen.
Flatuphilie:
Die sexuelle Erregung entsteht durch Blähungen.
Formicophilie:
Die Lust, kleine Insekten oder Käfer über sich kriechen zu lassen und gebissen zu werden.
Forniphilia:
Die Person „verwandelt“ sich in ein Möbelstück. Die bekannteste Form ist der Tisch, eine Person (meistens eine Frau) ist nackt, auf ihrem Körper werden Lebensmittel platziert.
Gymnophilie:
Auch dieser Fetisch ist sehr bekannt, es handelt sich um die Lust am nackt sein, auch kurz FKK genannt.
Hemotigolagnie:
Das Riechen an gebrauchten Monatsbinden erzeugt sexuelle Lust.
Iantronudie:
Dieser Fetisch beschreibt die sexuelle Lust am Ausziehen vor einem Arzt.
Klismaphilie:
Die sexuelle Erregung kommt durch Einläufe im Darm zustande.
Kryophilie:
Sex bei extremer Kälte, z. B. im Schnee.
Laktation:
Das Trinken von Milch an der Brust einer Frau.
Menophilie:
Lust auf Frauen, welche ihre Periode haben.
Narratophilie:
Sexuelle Erregung wird durch das Führen von erotischen Gesprächen, inklusive Dirty Talk erzeugt.
Objektophilie:
Liebe zu Dingen und sich erotisch von ihnen angezogen fühlen bis hin zur Auslebung einer Beziehung zum Gegenstand.
Oculolinctus:
Ein nicht weit verbreiteter Fetisch, es handelt sich um das Lecken von Augäpfeln.
Olfaktophilie:
Der Geruchsfetischismus, bekannt sind vor allem das Riechen an Füßen und getragener Unterwäsche.
Omorashi:
Ein spezieller Fetish rund um das Einnässen, Blasendruck sowie Urinierung. Ein Omorashi-Fetischist erlangt seine sexuelle Erregung dadurch, dass er sich wortwörtlich selbst „in die Hose macht“.
Plushophilie:
Sexuelle Erregung tritt durch Stofftiere, oftmals Teddybären, ein.
Podophilie:
Ein Fetisch, welcher vor allem in den Filmen Tarantionos häufig zu sehen ist, der Fußfetischismus.
Pygmalionismus:
Beschreibt die Lust an leblosen Statuen und Bildern.
Scatophilie:
Hierbei handelt es sich um sexuelle Handlungen mit Fäkalien.
Teledildonik:
Die Teledildonik beschreibt den Cybersex.
Toucherismus:
Dieser Fetisch beschreibt das zwanghafte Anfassen fremder Menschen.
Urophilie:
Der Begriff für Spielchen mit Urin.
Vomerophilie:
Dies ist der Fachbegriff für sexuelle Spiele mit Erbrochenem.
Voyeurismus:
Hierbei handelt es sich um die Lust am „Spannen“.
Zelophilie:
Die Lust durch Eifersucht. Die Leute führen Situationen herbei, durch welche der Partner eifersüchtig wird. Das Adrenalin sorgt für eine steigende, sexuelle Erregung.
Zoomimik (engl. Petplay):
Beim Ausleben dieses Fetischs spielen die Menschen die Rolle eines Tieres.

Quellen:

http://www.fetish-top10.de/fetischismus-arten/dacryphilie-dacrylagnie.htm

https://flirtuniversity.de/welche-fetische-gibt-es/